„Die Räuber“ im Residenztheater

„Die Räuber“ haben einen ganz besonderen Platz in meinem Leben. Das Berserker-Stück von Schiller war das erste, das ich als junges Mädchen bewusst gesehen habe- und das mich nachhaltig beeindruckt hat. Damals wütete Rufus Beck als schwarz gekleideter Punk über zerschlissene Ledersofas auf der Bühne des Münchner Prinzregententheaters. Zudem wird mein Vater auch heute nicht müde den Franz Moor zu zitieren, den er als Schüler in der Theatergruppe seines Gymnasiums gemimt hat. Diesmal sitze ich mit meinem Sohn im Residenztheater. Auf der Bühne: zwei überdimensionale Laufbänder, schräg in den Raum ausgerichtet. Die Bänder setzen sich in Gang und damit auch Franz Moor und seinen Vater. Schon der Eingangsmonolog von Franz Moor, der in dieser Inszenierung von eine großartigen Katja Bürkle mit einer kaum auszuhaltenden Intensität gespielt wird, gibt den düsteren, selbstzerstörerischen und grausamen Tenor vor (bei meinem ersten Besuch stand Valery Tscheplanowa als Franz Moor auf der Bühne- und zog mich nicht weniger in ihren Bann). Unterstützt wird der morbide Ton von Geige, Bass, Schlagzeug und zwei immer im gleichen Rhythmus Töne spuckenden Sängern. Das ganze Stück ist Text. Alle Bilder entstehen im Kopf, auf der Bühne scheint kaum etwas zu passieren. Man ist so fasziniert von dem klaren, deutlichen und einen in sich hineinsaugenden Text, dass man kaum bemerkt, wie sich das Licht verändert, die Musik immer durchdringender wird und die Bänder immer höher steigen. Und dann ist immer wieder mal kurz Stille- und alles bricht zusammen. Am Ende… aber das ist ja bekannt. Ich war erneut völlig erschüttert und mitgenommen. Und mein Sohn kann noch nach Wochen ganze Verse zitieren- hat ihn offenbar auch mehr beeindruckt, als er es sich hat anmerken lassen.

PS: eins hätte ich anders gemacht: die eine oder andere Passage kürzer gehalten und dafür keine Pause- bei dem Wort-Gemetzel hat man eh kaum Lust auf Smalltalk- höchstens auf nen doppelten Whisky– und den gibt’s dort an der Bar nicht…

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