Der schönste Kuss der Welt (und das Prickeln in den Fingern bei der ersten Berührung)

Wenn ich in Paris bin, muss ich immer auch einmal ins Rodin-Museum – ob verliebt oder nicht. Aber es macht im verliebten Zustand besonders viel Spaß!

Dort gibt es zwei Skulpturen, die für mich zwei der schönsten und herrlichsten Momente in der Liebe darstellen. Das eine sind ein Mann und eine Frau, sich küssend und dabei halb umarmend, halb umkreisend, seine Hand ist noch nicht ganz auf ihrem Hintern angekommen, ihre Brust berührt seinen Köper noch nicht, der Kuss reicht. Er ist tief, innig, intensiv und voller Hingabe, die Hände haben noch Zeit den richtigen Ort für sich zu finden. Und das in diesem weich scheinenden Stein, diesem herrlich strahlenden Weiß, das alles leicht und zärtlich werden lässt.

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Das andere (fast noch intimer, wie ich finde) sind zwei Hände, ab dem Handgelenk aus dem Sockel kommend, gen Himmel gestreckt und mit den Innenflächen einander zuneigend. Sie scheinen umeinander herum zu tanzen, zärtlich darauf hoffend, sich bald ganz zu spüren. Man geht sie herum, wie um zwei flirtende Schmetterlinge, und hat diese auch sofort im Bauch, bei dem Gedanken, wie das war, als man den gerade frisch liebenden Menschen neben sich spürte, alles kribbelt, alles vibriert, alles scheint unter Strom, weil sich gleich die Hände berühren werden, die man noch nicht gut kennt und die eine unvorstellbare Anziehungskraft haben. Und dann geht man um die Skulptur herum und es kommt dieser Moment, an dem die Verbindung der beiden Hände zu sehen ist: ihr Mittelfinger trifft auf seinen Zeigefinger, ihre Bewegung hat etwas so sanftes, geschmeidiges, freudig erwartendes, glücklich machendes – die sich anschließende Explosion ist spürbar. Man ahnt, wie sich diese Finger gleich ineinander drehen, wie die Energie in den anderen übergeht, wie die Hitze aufsteigt…

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Mehr über Auguste Rodins Skulpturen und Plastiken gibt’s bei Wikipedia. Meine Empfehlung aber: die Kunstwerke einfach wirken lassen. Denn es kann auch ernüchternd sein zu erfahren, wer z. B. für den „Denker“ im Garten des Museums Modell gesessen hat… (es war der muskulöse französische Boxer Jean Baud – weder ein Intellektueller, noch ein ausgewiesener Denker)

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