Florian Illies „Gerade war der Himmel noch blau“

Über Florian Illies darf ich eigentlich nicht schreiben, denn wir kennen uns gut. Oder vielleicht gerade deshalb? Denn für seinen Schreibstil  – der Grund dieses Beitrags – verehre ich ihn ganz unabhängig von unserer Bekanntschaft. Ich liebe es, wie er Situationen beschreibt, Bilder im Kopf entstehen lässt, einen auf eine gedankliche Reise schickt. Seine Art zu schreiben hat immer etwas spielerisches, spontanes – manchmal leicht ungelenk, weil wie gesprochenes Wort geschrieben und mir daher sehr sympathisch. Dabei überspielt diese Umgangssprache ein beeindruckend umfassendes Wissen, das immer nur durchblitzt, niemals belehrend wirkt, staunend der neuerlichen eigenen Erkenntnis dient und meistens mit einem Augenzwinkern versehen ist, so dass man sich als Nichtwissende über die vermeintlich gemeinsamen Entdeckungen freut.

Illies

Allein sein Gedankenspiel in „1913. Der Sommer des Jahrhunderts“, dass sich Hitler und Stalin vielleicht im winterlichen Wien im Park begegnet sind, ist für mich schlicht grandios.

Momentan lese ich seine begeisterten (und begeisternden) Ausführungen zur Kunst „Gerade war der Himmel noch blau“. Darin porträtiert er seine persönlichen Helden von Max Friedlaender über Gottfried Benn und Harry Graf Kessler bis hin zu Andy Warhol. Und er erkundet, warum die besten Maler des 19. Jahrhunderts am liebsten in den Himmel blickten und begannen, Wolken zu malen. Fürs „Wolken malen“ hätte ich auch gerne einmal Zeit. Stattdessen lese ich seine Bücher – und freue mich, dass ich dafür immer Zeit finde.

Tip: weitere großartige Beschreibungen meiner weiteren Lieblingsbücher  findet ihr bei Perlentaucher.

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