Katia Buniatishvili im Gasteig

Katia Buniatishvili am 18. Januar 2018 im Münchner Gasteig

Diese Frau sollte man unbedingt einmal in einem Konzertsaal erlebt haben (weitere Male folgen dann automatisch). Sie ist einfach großartig – und sie beherrscht den perfekten Auftritt. Bei meinem jüngsten Konzert mit ihr im Gasteig, rauschte sie in einer silberfarbenen Seidenrobe mit Spagettiträgern und wogendem Busen auf die Bühne. Mein erster Gedanke war: „Du meine Güte, hoffentlich halten diese schmalen Träger bei der Energie!“ Und dann setzte sie sich an den Flügel und füllte den Raum. Vergessen war der Spagettiträger, alles vibrierte, ihr Körper, ihre Mähne, das Orchester, das Publikum. Sie fegte uns alle hinweg, spielte in einer Geschwindigkeit und Intensität, dass mir ungläubig der Atmen weg blieb. Das Tolle: das Orchester schien es zu lieben, man sah den Spaß in den Gesichtern der Musiker. Der Dirigent schien förmlich darauf zu warten, dass sie noch einen Zacken zulegte und ging auf ihre Geschwindigkeit ein. Und sie warf ihre Mähne hin und her, zuckte mit den Schultern, flog mit den Händen über die Tasten und bot uns einen energiegeladenen und mitreißenden Abend.

Und dann kam ihre Zugabe! Auf den Sturm, der durch die vergangene Stunde gefegt war, folgte ein zartes, filigranes, leichtes und zerbrechliches Stück, dass mir fast die Tränen in die Augen trieb. Auf einmal war sie sanft und liebreizend, streichelte ihr Instrument und die Tasten, als wären sie aus Seide. Die Melodie war schlicht, ergreifend und unendlich schön. Jeder Ton raf mitten ins Herz.

Katia Buniatishvilis Zugabe am 18.Januar 2018 im Münchner Gasteig

Das Konzert war zu Ende, ich stabd ergriffen auf und wünschte mir ihr Spiel schon in dieser Minute in meine eigenen vier Wände…

PS: die Zugabe war übrigens die Kantate Nr. 9 von Johann Sebastian Bach, „Schafe können sicher weiden“ und meine zwei Lieblingslieder auf ihrer CD „Motherland“: Das „Lied ohne Worte“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy und „Slawischer Tanz“ von Antonin Dvorjàk.  Zu finden bei Ludwig Beck im 4. Stock, mein Lieblingsort, wenn es um Musik geht.

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